Tag 1

10. Juni 2017 Petershausen

Ab heute sind wir unterwegs. Heide und Brigitte on Tour haben wir auf unser Auto geklebt. Alles ist offen: Ob wir uns an die geplante Route halten werden, ob Heide genau 20 km pro Tag – weniger oder mehr – laufen wird, ob wir nach 4 Wochen abbrechen, weil wir uns zum ersten Mal in unserer Freundschaft ernsthaft zerstreiten oder weil Heide die Puste ausgeht, ob eine von uns das Zeitliche segnet – alles ist möglich, und sterben kann man schließlich überall. „Wenn wir scheitern“, sagt Heide heute Morgen, vor ihrem geöffneten Koffer auf dem Boden kniend, dann scheitern wir an unserem Chaos in den Koffern und im Auto.“

Getroffen haben wir uns gestern Abend in Petershausen, Heide mit der S-Bahn von München, ich mit dem Auto von Lübeck, im Landgasthof Ostermair, der in 5. Generation von der Familie geführt wird. Irgendwie fühlten wir uns beide etwas benommen: Von der Schwüle, die sich den ganzen Tag gesteigert hatte, von dem jähen Wechsel unserer Umstände und der Erkenntnis, dass nach Wochen der Vorbereitung nun endlich aus Fiktionen Fakten werden sollten. Beim Italiener des Ortes (echte Italiener) gab es unter dem Regendach draußen eine gute Pizza und ein Weizenbier (wegen der Elektrolyte). Auf irgendwelche Planungen oder organisatorische Fragen hatten wir beide keine Lust, wir genossen den schönen Abend und die regenfrische Luft nach einem heißen Tag.

Ausgeschlafen, mit klarem Kopf hatten wir einen guten Start in unseren 1. Tag. Mit unserer Hotelwahl am Computer hatten wir richtig Glück. Betten gut, ein Zimmer, das nichts zu wünschen übrig ließ, nette Wirtsleute, mit denen wir beim Frühstück ein Gespräch über die Weltlage und die katastrophale Niederlage von Theresa May hatten. Frau Ostermair schenkte mir noch einen Rest Glasreiniger. Der war nötig, um die letzten Sprüche an unser Auto zu kleben. Und mit dieser Kutsche fahren wir jetzt als Botschafterinnen für ein verändertes Bild vom Alter durch die Lande.

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Ich fahre, Heide läuft – unserem nächsten Ziel Schrobenhausen entgegen. Zwischenstopp in Jetzendorf, wo auch im Tod niemand aus der Reihe tanzt. Gräber so ordentlich wie Dominosteine in der Schachtel.

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Dafür geht es im Kletterpark Jetztendorf um so gefährlicher zu. Für 23 € + 2 € extra für Handschuhe kann man hier ein bisschen sein Leben riskieren. Dazu fällt mir ein alter Lateiner ein, den Freud zitiert, der gesagt hat: Man kann sein Leben nur gewinnen, wenn man es aufs Spiel setzt.

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Danach geht es durch wunderschöne Landschaft nach Schrobenhausen. Das ist zu meiner Überraschung eine richtige kleine Stadt, bekannt für den besten Spargel in Bayern. Unser Hotel liegt außerhalb, urig, bayerisch, und zu meiner Freude gibt es problemlos W-LAN. Heute Abend wird auf der Terrasse gegrillt, wir haben schon zwei Plätze reservieren lassen.

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