Tag 5

14. Juni 2017 Beilngries

Dieses Altmühltal hat es mir angetan. Wie immer an schönen Orten, an denen ich nur kurz bin, mache ich mir Notizen in meinem mentalen Archiv mit der Überschrift: Wiederkommen! Das beruhigt fürs Erste, auch wenn ich weiß, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wiederkommen werde – wie an die Ufer des Flusses Li in China, den ich vor Jahren bereiste, der immer wieder Aussichten bot, bei denen mir fast das Herz still stand. Da hat das Altmühltal bessere Chancen, dass ich wiederkomme. Die barocke Bischofsstadt Eichstätt mit ihrem italienischen Flair und den vielen Museen möchte ich noch einmal besuchen und Solnhofen würde ich gerne sehen, wo sie die berühmten Solnhofener Platten aus dem Fels schlagen, die in meinem Elternhaus in der Diele verlegt waren. Und vielleicht in einer kühleren Jahreszeit auf dem Altmühl-Panoramaweg ein kleines Stück wandern (3-4 km, das entspräche meiner Walking-Strecke zu Hause), um die Naturschönheiten in aller Ruhe zu genießen: Diese schroffen Felsenriffe an sanften Flusstälern, sonnenüberflutete Wachholderheiden und natürlich das trägste Fließgewässer Deutschlands: die Altmühl, funkelnd im Sonnenlicht. Schon die Kelten vor 3000 Jahren wussten offenbar landschaftliche Schönheit zu schätzen und siedelten im Altmühltal, ihnen folgten die Römer. Davon zeugen noch heute Wallanlagen, rekonstruierte Kastelle und, wie die Wirtin in Eichstätt erzählt, spektakuläre Schatzfunde. In dem bezaubernden Kipfenberg haben wir zu Füßen der Burg Kipfenberg logiert. Einst eine Raubritterburg, heute von modernen, kapitalistischen Räubern vor dem Verfall gerettet und als Sommerresidenz bewohnt. Ich wäre gerne hinaufgefahren. Aber das kostet Zeit, und die haben wir nicht, denn der Weg bis Lübeck ist noch weit.

Unknown

Während Heide noch bis Beilngries läuft, mache ich Station am Pfraundorfer See im Café Kratzmühle, genieße den Ausblick, trinke Tee auf der Terrasse und schreibe.

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Mit Beilngries komme ich wieder in ein Städtchen, von dem ich vorher noch nie gehört habe. Aber was für ein Ort! Bei dem herrlichen Wetter mutet es mit seinen mittelalterlichen Türmen und barocken Bauten wie eine südländische Stadt an. Hoch über Beilngries die fürstbischofliche Residenz Schloss Hirschberg. Die Sulz und die Altmühl fließen hier im Süden zusammen, im Norden begrenzt der Main-Donau-Kanal Beilngries, und überall sprudeln Quellen, mit deren Wasser das Bier gebraut wird. Eine Stadt braucht Wasser, um ein lebendiger Ort zu sein, an dem ich leben möchte. Hier gibt es genug davon, hier möchte ich bleiben, solange dieser italienische Sommer währt.

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Ein Gedanke zu “Tag 5

  1. Danke für deine Reiseeindrücke. Beneidenswert! Für mich vom Namen bekannt, doch nie gesehen: das Altmühltal Jetzt fehlen uns nur Eindrücke von der „Lesereise“. Was sagen die Bauern zu Deiner mutigen Alten in New York? Wir sind neugierig auf die nächsten Blogs. Danke für heute! Deine Chris und Jürgen

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