Tag 9

18. Juni 2017 Hirschau

Falls es wen verwirrt. Ich schreibe zum Datum immer den Ort, an dem wir an diesem Tag übernachten. Der Text handelt dann meistens vom Vortag, also heute von Ursensollen. Von diesem Ort haben wir gar nichts gesehen, weil wir eine Ortschaft weiter in Oberleinsiedl ein Quartier gefunden haben. Das Hotel Garni, das von der netten Familie Kleindienst geführt wird und sich als vortreffliche Wahl herausstellt. In Ursensollen würden wir nichts versäumen, sagt Herr Kleindienst, und fährt uns mit seinem Elektro-Auto, das wie eine Nähmaschine surrt, nach Amberg auf den Klosterberg (Franziskaner). Dort steht die zweitgrößte Wallfahrtskirche Bayerns, Maria Hilf, (die größte ist Altötting), eine imposante Anlage, die darauf vorbereitet ist, zu Festen (Berg-Fest nächstes Wochenende) bis zu 18 000 Menschen aufzunehmen. Die barocke Kirche, von innen mit großer Pracht ausgestattet, von außen mit einer beeindruckender Fassade, ist nur über eine dreiseitige Treppenanlage mit 23 Stufen erreichen.

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Im angrenzenden Café für Besucher, die leibliche Genüsse religiösen Exerzitien vorziehen, genießen wir auf der Terrasse eine Sachertorte vom Feinsten. Dabei geht der Blick weit über das Land, zu Füßen Amberg, in der Ferne bei ungetrübter Sicht der Bayerische Wald. Abends warten wir vergebens auf ZuhörerInnen, zu abgelegen ist unsere Herberge. Nur die interessierte Wirtin kauft ein Buch. Dass das Vorlesen ausfällt, ist mir ganz lieb. Ich bin ziemlich müde und freue mich auf eine gute Matratze. Die letzten Nächte auf arg strapazierten Federkernmatratzen waren nicht nach meinem Geschmack.

Die Fahrt nach Ursensollen-Oberleinsiedl auf verwunschenen Nebensträßchen war so voller Naturschönheiten, dass ich immer wieder anhielt um zu fotografieren. Aber mein iPad ist trotz seiner guten Optik nicht in der Lage, das Ausmaß an Schönheit einzufangen – oder ich bin eine lausige Fotografin. Ich versuch’s aber trotzdem mal.

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Heide sagt, die Laufstrecke auf einer stillgelegten Bahntrasse sei ab Kastl die schönste ihres Lebens gewesen. Ich hoffe, sie findet noch Zeit, ihr Erlebnis zu beschreiben. Ich sitze jetzt, während ich dies schreibe, in einem Café am Monte Kaolino, nahe Hirschau, und warte auf das Eintreffen von Heide, die auf einem Radweg läuft, der direkt nach Weiden, unserem übernächsten Ziel, führt. Der Monte Kaolino ist 120 m hoch, besteht aus 35 Millionen Tonnen Quarzsand und ist ein Abfallprodukt bei der Kaolingewinnung im Raum Hirschau. Seit 2007 ist hier ein gigantischer Freizeitpark entstanden. Ich zähle mal auf, was es hier alles gibt (die Liste ist unvollständig):

  • Badelandschaft, Sand-Ski-Strecke, Hochseilgarten, Inlinerstrecke, Sommerrodelbahn, Adventure-Golf, Geo-Park, Farbenwald (zur Meditation), Erlebnis- und Abenteuerspielplatz u.s.w.

Die Betreiber haben nichts ausgelassen, womit man eventuell Geld verdienen könnte. Die Preise für all die Attraktionen sind saftig.

Unknown

Die Oberpfalz ist nicht nur bezaubernd anzuschauen, sondern auch geologisch sehr interessant. Ich bedaure, dass ich so ungeschulte Augen habe und eine „typische Jura-Landschaft“ nicht erkennen kann. Überhaupt: Zeit, Zeit, Zeit – ist das, was uns am dringendsten fehlt. Es gäbe so vieles, das zu erkunden, das zu erzählen sich lohnte, aber unsere Tage sind von furchterregender Kürze – einerseits, andererseits sind sie so voll von Eindrücken, dass wir das Gefühl haben, schon wochenlang unterwegs zu sein. Aber die Laune ist prächtig.

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