Tag 12

  1. Juni 2017 Bischofsgrün 

An Kemnath gefiel uns am besten unser Picknick, das wir auf der Fahrt dahin hatten, das Städtchen selbst beeindruckte mich wenig, vielleicht braucht es mehr Zeit, als wir haben, um verborgene Schönheiten zu entdecken. Aber nun fällt mir doch etwas Interessantes ein. Hier gibt es ein Museum für historische Musikmaschinen, das Musikeum, das hätte ich gerne besucht.

Aber Kemnath hatte dann doch noch etwas zu bieten. Weil in unserem Gasthof zwar das Zimmer in Ordnung war, Wirtin und Gastraum aber wenig ansprechend wirkten, sagten wir das Frühstück ab und gingen gegenüber beim Bäcker-Adl frühstücken. Wer hätte voraussagen können, dass dieses Frühstück ein Griff in das Zentrum der Geschichte Kemnaths werden würde. Bäcker-Adi (das Adi kommt von Adam) ist die älteste Bäckerei Deutschlands! Seit 450 Jahren ununterbrochen in der Hand der Familie Krauß. Die Inhaberin, Veronika Kraus, führt die Bäckerei in der 19. Generation und wusste viel zu erzählen. Ich habe eine Beschreibung der Familiengeschichte seit dem Jahr 1392 in Kemnath mitgenommen, und wenn ich noch einmal wirklich Zeit auf dieser Reise haben sollte, berichte ich davon ausführlicher. Die Brötchen des Bäcker-Adl sind jedenfalls handgemacht und ohne jede Zusätze – und genauso schmeckten sie auch. Frau Krauß entpuppte sich zu meiner Freude als literaturbegeistert (was für ein Zufall!) und kaufte mir gleich zwei Bücher ab. Von ihr stammte auch der Tipp, zur nahegelegenen Burg Waldeck zu fahren,

Die Burg, deren Grundmauern aus der Zeit 1000-900 vor Christi stammen, hatte über die Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte. In einer Privatinitiative wurde sie mit Hilfe von Arbeitslosen in den letzten Jahren restauriert.

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Vom Parkplatz ging es erst eine schattige Straße bergauf, aber dann in brennender Sonne in Serpentinen den eigentlichen Burghügel hinauf. Wieder waren wir allein auf weiter Flur. Je höher wir kamen, um so atemberaubender wurde der Ausblick. Die ganze Anlage in der sengenden Hitze erinnerte mich an Sommerreisen nach England, als ich – noch mit ganz jungen Beinen – unermüdlich auf den alten Mauern herumkraxelte. Heute suchte ich mir lieber ein schattiges Plätzchen, um die Aussicht zu genießen.

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Nachdem der Tag schon am Vormittag zwei Höhepunkte aufzuweisen hatte, freuen wir uns nun auf einen Ort mit dem schönen Namen Bischofsgrün. Das ist ein heilklimatischer Kurort im Fichtelgebirge im oberfränkischen Landkreis Bayreuth, von dem ich bisher auch noch nie gehört hatte. Bischofsgrün wird gewissermaßen eingerahmt von den beiden höchsten Erhebungen Nordbayerns: dem Schneeberg (1053 m) und dem Ochsenkopf (1024 m). Wir fuhren wie immer auf Umwegen zu unserem Ziel und waren beide begeistert vom Fichtelgebirge. Im Winter ein begehrtes Ziel für Ski-Fahrer, hat es jetzt im Sommer wenig Besucher. Aber die Landschaft!

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Unser Quartier für heute ist bestimmt ein kleines Paradies für Ski-Fahrer, der Idiotenhügel mit Lift beginnt gleich unter den Balkonen des Hotels.

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Heute Abend erwarten mich im „Deutschen Adler“ zwei Herren, einer von der Zeitung, einer vom Touristenbüro. Ich hoffe, dass auch noch jemand da ist, der etwas vorgelesen haben will.

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