Tag 15

24. Juni 2017 Ziegenrück

Unser Abschiedsbild von einer Stadt, das wir meistens morgens vor dem Hotel aufnehmen, machen wir heute in Selbitz in einer kleinen Parkanlage hinter Rewe, und es ist gleichzeitig die Auflösung für mein Rätselfoto von gestern.

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Dieses merkwürdige Objekt – und es gibt noch mehr davon – ist ein „Armtrainer“. Laut Tafel fördert er Arm- und Rückenmuskulatur. Die Bügel sollen in aufrechter Haltung angehoben und heruntergedrückt werden. Weder gestern Abend, als wir das Ding entdeckten, noch heute Morgen ist außer uns jemand zu sehen. Wer sich das wohl ausgedacht hat? Die Selbitzer jedenfalls strafen diese Kreation offenbar mit Nichtachtung.

Heide meint: Sieht aus wie Rollstuhl mit Pflegerin.

Unser heutiges Ziel ist Ziegenrück, das ist die fünftkleinste Stadt Deutschlands und bekannt als „Die Perle im oberen Saaletal“. Die Stadt liegt an einem großen Saalebogen, umgeben von bewaldeten Bergen. Für Wanderer und Läufer wie Heide auch deshalb ein Paradies, weil alle Wege so gut ausgezeichnet sind. So sieht es auf der Karte aus. Aber da kommen wir gar nicht hin, weil heute  (Samstag) in und um Ziegenrück ein Trabi-Rennen stattfindet. Mindestens bis 18 Uhr ist die Stadt für privaten Verkehr gesperrt. Diese Infos bekomme ich im Rennsteig-Wandererstützpunkt in Blankenstein, wo der berühmte Wanderweg Rennsteig  beginnt bzw. anfängt. Dort gibt es nicht nur kompetente Infos, sondern auch zu essen und zu trinken und das kräftigste Internet, das ich bisher hatte. Per Telefon dirigiere ich Heide, die heute durch das Höllental läuft, hierher . Zur Erinnerung: Wir sind jetzt in Thüringen und nicht länger in Bayern. Das Höllental liegt im Frankenwald und ist der Abschnitt des Flusstales der Selbitz zwischen einem Ort namens Hölle und einem namens Blechschmidtenhammer. Es steht unter Naturschutz. Das enge Tal wird von der Selbitz durchflossen, die nach dem Ende des Höllentales die Grenze zwischen Bayern und Thüringen bildet. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung 1989 war die Grenze dort nicht passierbar.

Unknown

 

Noch mal ein Wort zu meinen abendlichen Lesungen, die eigentlich ein entspanntes Vorlesen in kleiner Runde sind. Meistens passen alle um einen Tisch, und nach einem ausgiebigen Gespräch, in dem wir einander kennenlernen, lese ich vor. Es hat etwas von einer Familienrunde mit gemütlichem Vorlesen, das durch Fragen und Kommentare unterbrochen wird. Das macht mir großen Spaß. Der direkte Kontakt mit meinen Zuhörern ist sehr motivierend, und hinterher gibt es mehr Diskussion, als ich es je bei einer „richtigen“ Lesung erlebt habe. Sehr befriedigend. Überhaupt: Das ganze Projekt erweist sich als erfolgreicher, als wir uns das vorgestellt haben. Meistens kommt jetzt immer ein Journalist von einer der umliegenden, regionalen Zeitungen dazu (gestern war’s die Frankenpost), und nach so viel persönlichem Kontakt werden natürlich auch Bücher gekauft. Tagsüber haben wir viele interessante Begegnungen mit Leuten, die auf unser beklebtes Auto oder auf unsere Buttons reagieren.

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