Tag 16

25. Juni 2017 Jena

Wir fahren heute Nachmittag nach Jena und bleiben dort 2 Tage. Aber noch sind wir in Ziegenrück, d. h. ich bin da, Heide ist auf dem Weg nach Jena. Was ich jetzt berichten will, ist ein Nachtrag zu gestern und ein aktueller Bericht zu Ziegenrück an der Saale. Gestern brachen wir erst um 4 Uhr von Blankenstein auf, in der Hoffnung, doch wenigstens ohne Behinderung bis Remptendorf zu kommen, dort das Schloss zu besichtigen, zu Abend zu essen, um dann später ohne Straßensperren nach Ziegenrück fahren zu können. Da hatten wir uns gründlich getäuscht. Wir kamen bis Bad Dobenstein. Von da an fuhren wir 2 Stunden im Kreis. Alle Straßen nach Ziegenrück waren gesperrt. Verwirrende Umleitungsschilder, die uns z. B. auf den Ladeplatz einer Kies-Firma schickten, raubten uns den letzten Nerv. Unsere beiden Navi-Frauen waren inzwischen wegen zu vieler Neuberechnungen ins Koma gefallen. Ich sah uns schon auf einem Feldweg im Auto übernachten.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch (Hölderlin). Wieder einmal vor einer Straßensperrung angekommen, diesmal mit Notarztwagen und Schaulustigen, steige ich aus und mache offenbar einen derart verzweifelten Eindruck, dass sich gleich 3 Männer für mich engagieren. Jeder hat eine andere Wegbeschreibung, um doch noch heute Abend nach Ziegenrück zu gelangen: Bis Drognitz zurück und eine Fähre nehmen, über Schleiz (25 km entfernt), oder etwas näher über etliche Dörfer, deren Namen ich schon phonetisch nicht verstehe, geschweige denn, dass ich sie behalten könnte. Auf halbem Weg zum Auto, um Papier und Stift zum Aufschreiben zu holen, tippt mich jemand von hinten auf die die Schulter: „Warten Sie, bis die Ambulanz weg ist, ich bring Sie hin, es gibt noch einen anderen Weg.“

UNSER RETTER, HERR K.!

Herr K. hat ein freundliches Gesicht, ist ein bisschen rundlich und die Sorte von Mann, die manche Frauen mit „Knuddelbär“ beschreiben würden. Er bringt uns! Und wie! Bis vor die Tür des Hotels.“ Er fährt voraus, wir hinterher. Zuerst geht es noch auf einem schmalen, aber asphaltierten Sträßchen bergauf in abenteuerlichen Kurven, aber bald haben wir nur noch Schotter, Löcher, Rinnen und Verwerfungen unter den Rädern, und es geht immer weiter in die Höhe. Links tut sich eine tiefe, baumbestandene Schlucht auf, ich ahne, dass an ihrer Sohle die Saale fließt, rechts dehnt sich Landschaft pur.

DEUTSCHLAND IST SCHÖN! DEUTSCHLAND IST SCHÖN! DEUTSCHLAND IST SCHÖN!

Dann geht es in Serpentinen abwärts, und aus dem Weg wird wieder eine schmale Straße. Unser Retter will uns hier verlassen, aber als er hört, dass wir zum Hotel Fernmühle wollen, schüttelt er den Kopf und sagt: „Das finden Sie nicht, die Stadt ist auch gesperrt.“  Also steigt er wieder in sein Auto und lotst uns auch noch zum Hotel. Er muss den ganzen Weg wieder zurückfahren. Wir haben nichts, das wir ihm zum Dank schenken könnten (nächstes Mal habe ich Lübecker Marzipan im Gepäck) und umarmen ihn herzhaft. Im ersten Augenblick ist er überrascht, dann lässt er sich unsere Dankesbezeugungen gerne gefallen.

NOCH EINMAL: LIEBER HERR K., wenn Sie dies lesen, weil ich Ihnen meine Blog-Adresse doch gegeben habe, GANZ, GANZ HERZLICHEN DANK !! WIR WERDEN SIE ZUSAMMEN MIT IHREM SCHÖNEN ZIEGENRÜCK, DEM BERGRENNEN UND DER WUNDERBAREN SAALE IN BESTER ERINNERUNG BEHALTEN.

Die Fernmühle, direkt an der Saale in Ziegenrück ist ein ganz verwunschener Ort. Wir haben ein wunderschönes Zimmer mit einer Matratze, die mir nach den Anstrengungen gestern einen achtstündigen Tiefschlaf ohne Unterbrechung schenkte. Der Blick aus unserem Fenster ist märchenhaft.

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Wir machen nach dem Frühstück einen Spaziergang, an der Saale entlang, in den Ort und sehen nun, was wir gestern Abend beim Abendessen nur gehört haben: Das Ziegenrücker Bergrennen. Es hörte sich an, als nähere sich ein Geschwader Kampfflieger, oder auf der Saale führe ein Raddampfer (so wie auf dem Mississippi) – der Gast am Nebentisch klärte uns auf. Es waren die Teilnehmer des Rennens, auf einer Brücke unsichtbar hinter den Bäumen. Heute Morgen habe ich vom Start ein Video gemacht, dass ich später noch bei FB reinstelle. Bei diesem Rennen geht es übrigens mal nicht um Schnelligkeit, sondern um „Gleichmäßigkeit“.

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Zum Schluss noch ein Schmankerl, das wir im Städtchen im Aushang des Espero Verlags (der hier ansässig ist) gefunden haben.

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