TAG 19

28. Juni 2017 Bad Bibra

Ein voller Tag, und immer haben wir nur den Geschmack einer Stadt, eines Landstrichs auf der Zunge, nie bekommen wir wirklich etwas zu beißen. Wir verlassen jeden Ort mit vielen Fragen, die unbeantwortet bleiben. So viel steht fest: Je länger wir unterwegs sind, um so deutlicher wird, dass wir beide von nichts wirklich eine Ahnung haben. Weder von Geschichte, noch von Geologie, noch von Namenskunde oder Topologie. Heute Morgen in Bad Kösen wären wir beide gerne auf einem geologischen Lehrpfad gewandert, der gleich hinter dem Mutigen Ritter durch ein Muschelkalkmeer zur Rudelsburg führt, aber wir wollten auch Uta in Naumburg besuchen und Heide braucht Zeit zum Laufen. So haben wir nur dem Käthe-Kruse-Museum einen kurzen Besuch abgestattet.

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Käthe Kruse lebte und arbeitete von 1912 bis 1950 in Bad Kösen. Eine erstaunliche Frau mit Unternehmergeist. Wer weiß schon, dass sie in den letzten Jahren auch Schaufensterpuppen herstellte.

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In unserem Hotel Mutiger Ritter, das aus einem denkmalgeschützten Gebäudeensemble besteht, ist auch die heutige Manufaktur von Plüschtieren untergebracht.

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Auf dem Bilderfries hinter uns ist dokumentiert, wer alles schon hier war: Fontane, Mommsen, Hufeland, Liszt. Im Mutigen Ritter ist es nie ganz still, das Rauschen der Saale am Wehr unterliegt wie ein Orgelton allem Leben in dem schlossartigen Gebäude.

Und dann Naumburg! Über den Dom schreibe ich nichts, darüber ist genug geschrieben worden, und jeder kann es nachlesen. Nur so viel: ein Erlebnis. Der Krieg hat ihn verschont wie auch die Stadt, in der wenig zerstört wurde. An der Treppe zum Ost-Chor entdecke auf dem Geländer hinreißende kleine Plastiken. Aus dem Reiseführer erfahre ich dann, dass sie „Der schmale Weg ins Paradies“ heißen (was mir gefällt) und von einem zeitgenössischen Künstler in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts stammen (was mich enttäuscht).

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Das äußerst sehenswerte Naumburg hat nicht nur einen großen, wunderschönen Marktplatz, sondern auch zwei Stadtteile: Das Domviertel und das Wenzel-Viertel. Die Wenzelkirche wurde im Krieg beschädigt, aber wieder aufgebaut, und die Silbermann-Orgel, die nach ihrer Fertigstellung von Bach persönlich abgenommen wurde, erstrahlt im vollen Glanz. Ich hatte das große Glück, gerade richtig zu einem kleinen Konzert zu kommen.

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Nachdem ich Heide aufgelesen hatte, erreichten wir am frühen Abend  Bad Bibra, wo wir außerhalb der kleinen Stadt in einem Waldhotel wohnen. Direkt daneben liegt ein Schwimmbad. Vielleicht kann ich Heide überreden, morgen statt zu laufen mal zu schwimmen. Das würde unsere Tagesorganisation sehr vereinfachen.

 

 

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