TAG 27

6. Juli 2017 Calvörde

Parallel zum Mittellandkanal bewegen wir uns gen Norden. Heide läuft heute auf einem namenlosen Weg am Kanal, aber weiter als Calvörde geht das nicht, dann müssen wir entschieden Kurs Nord nehmen, während der Mittellandkanal Richtung Westen fließt. Die endlosen Getreidefelder und die zahllosen Windparks der Magdeburger Börde liegen hinter uns, die Landschaft wird wieder abwechslungsreicher. Viel zu schnell bin ich mit dem Auto in Calvörde, und die Ferienwohnung (heute mal kein Landgasthof) ist noch nicht verfügbar. Ich fahre auf den Marktplatz in der Hoffnung, dort irgendwo Mittag essen zu können. Kopfsteinpflaster, junge Linden im Karré, eine unauffällige Kirche, ebenso unauffällige Häuserfronten, ein geschlossener Getränkemarkt, 3 parkende Autos, eins davon ist meins.

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Ich stehe also auf dem Marktplatz von Calvörde, es ist halb eins, die Sonne scheint , und es ist so still, dass ich höre, wie sich ein Lindenblatt vom Zweig löst und zur Erde segelt. Keine Stimmen, kein Motorengeräusch. Mittäglicher Stillstand. Diese Lautlosigkeit schlägt mich in ihren Bann, als wäre dies ein magischer Augenblick, den ich nicht auflösen darf. Ich bleibe stehen und bewege mich nicht, bis das Motorengeräusch eines näher kommenden Autos den Zauber löst.

Zehn Minuten später ist es klar, in Calvörde gibt es nichts zu essen. Aber ich habe 2 Empfehlungen, einmal ganz nahe einen Waldgasthof und 8 km weiter in Flechtingen. Der Waldgasthof hat Betriebsferien, und für Flechtingen warte ich auf Heide. Zusammen fahren wir nach Flechtingen, einem kleinen Luftkurort inmitten der dichten Wälder des Flechtinger Höhenzugs. Dort gibt es ein sehenswertes Wasserschloss, aber vor allem eine wunderschöne Terrasse über dem See (mit Blick auf das alte Gemäuer, das leider nicht zu besichtigen ist), auf der sehr schmackhafte Forellen serviert werden.

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Die Ferienwohnung erweist sich als sehr geräumig und bequem. Ich hoffe, potentielle ZuhörerInnen lassen sich von der privaten Adresse nicht abschrecken. Die Ankündigung einer Lesung steht inzwischen zuverlässig in den Tageszeitungen, aber mehr ZuhörerInnen als um einen Tisch passen, hatte ich bisher noch nie. Da haben wir auch heute Abend Platz genug. Einsame Landgasthöfe in winzigen Dörfern sind nicht gerade gute Leseorte. In Lüneburg werden wir das mal anders machen und im ersten Haus am Platz logieren.

Heide hatte gestern in Haldensleben Besuch von ihrem Bruder. Heute Morgen machten wir unser rituelles Abschiedsfoto nach demFrühstück auf seiner BMW R 1200 RT.

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