TAG 30

9. Juli 2017 Salzwedel

Wir sind früh von Klötze aufgebrochen. Alles an unserer Unterkunft in der „Alten Schmiede“ war in Ordnung, das Zimmer, die Betten, die Dusche (da kann man was erleben) und das Frühstück, das einzig Irritierende waren die „asiatischen“ Gerüche im Haus. Ich fühlte mich an Thailand erinnert. Tatsächlich war der Inhaber ein Vietnamese. Er erzählte mir, dass er noch die DDR miterlebt hat. Damit ist er der dritte Vietnamese, der uns in Sachsen-Anhalt begegnet ist, der schon über 30 Jahre im Land ist. Die beiden anderen hatten Textil-Läden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine große Familie dabei haben und dass sie noch immer sehr schlecht deutsch sprechen – aber offenbar reichen auch so rudimentäre Sprachkenntnisse aus, um ein Geschäft zu betreiben. Dafür wachsen ihre Kinder in Deutschland auf und sprechen wie die Eingeborenen, die sie ja auch sind. Junge Deutsche mit zierlicher Statur, Mandelaugen und glänzend schwarzem Haarschopf.

Der Reporter am Abend fragte uns, was uns denn nach Klötze verschlagen hätte? Nachdem wir die Stadt gesehen hatten, fragten wir uns das auch. Eine reine „Schlafstadt“ für Leute, die in Wolfsburg oder anderswo arbeiten. Entsprechend war auch das Interesse an meiner Lesung, obwohl die sogar mit einem redaktionellen Beitrag in der Altmark Zeitung angekündigt worden war. Null, und mal wieder kam nur die Presse.

Die Fahrt nach Salzwedel, unserer letzten Station in Sachsen-Anhalt, erinnerte landschaftlich schon an Schleswig-Holstein – und das ist ja nun auch wirklich nicht mehr weit. Nun ist alles flach, und der Blick geht weit bis an den Horizont.

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Salzwedel. Was für eine hübsche Stadt.  Mit einer Furt an der Jeetzel fing um 800 alles an. 1247 „Gründung der Neuen Hansestadt  Salzwedel“. Salzwedeler Kaufleute werden auf Gotland handelsberechtigt und damit kommt der Handel richtig in Schwung. Ab 1270 wird die Jeetze als Schifffahrtsweg Richtung Hamburg und Lübeck genutzt, und das bleibt so für die nächsten 600 Jahre. Wenn man durch die Straßen geht, stößt man an jeder Ecke nicht nur auf wunderbar restaurierte Fachwerkhäuser, sondern auch auf eindrucksvolle Zeugnisse der langen Geschichte Salzwedels. Pars pro toto das Terrakottenhaus.

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Das ist ein 1722 erbautes Handelshaus. Die Terrakottareliefs stammen aus der Werkstatt des Stacius von Düren in Lübeck! Die gebrannten Tonplatten stellen 15 Reliefs modisch gekleideter Damen und Herren des 16. Jahrhunderts dar. Zwei, die mir besonders gefielen, habe ich per Zoom herangeholt.

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Morgen verlassen wir Sachsen-Anhalt und sind wieder im vertrauten Niedersachsen. Schon seit Magdeburg sprechen die Leute wieder so, dass ich sie verstehen kann, und sie gucken auch nicht mehr komisch, wenn ich tschüß sage.

 

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